Pippo das Rillenbrett aus Malcesine
„Ich lag lange in dieser Schublade.
Zwischen einem Zitronenausquetscher,
der glaubt, er hätte schon Limoncello-Geschichte geschrieben,
und diesen Maiskolben-Pieksern,
die aussehen, als hätten sie einen festen Job,
aber niemand weiß welchen. Ich sag nur: „Wichtigtuer“!
Und ich? Bin ganz still.
So wie damals in Malcesine.“
„Ich erinnere mich noch genau.
Samstagsmarkt, nicht weit vom Wasser entfernt.
Die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings, die einem die Hoffnung brachten, dass es nun bald wieder länger sonnige Tage gibt.
Der Gardasee glitzerte,
und irgendwie roch es nach Zitronenkuchen, Espresso
und einer leichten salzigen Brise.
Kennst du das?
Das man im Urlaub plötzlich Dinge kaufen möchte,
die man zu Hause nie gesucht hätte?“
„Du hast mich nicht gesucht.
Du hast mich gesehen…
und einfach mitgenommen.“
„Und dann?
Ab in die Schublade
Zuhause. Realität. Alltag.
Kein Urlaubsglitzer. Keine „italienischen Momente“. Niente-Nix“.
„Aber ich hab gewartet. Nicht ungeduldig. Eher… überzeugt. Voller Vorfreude.
Denn ich wusste:
Irgendwann kommt mein Moment.“
„Und dann stand sie wieder in der Küche.
Ohne echten Plan. Ohne große Idee.
Nur mit diesen zwei Dingen:
Einem Pfund Kartoffeln und einem halben Pfund rote Linsen
Und endlich…..sie öffnet die Schublade der vergessenen Kleinteile und…
„Sie hat mich nur kurz angeschaut.
Dieses‚ Ach ja… dich gibt’s ja auch noch‘
‚Gnocchi…?‘ Och nö….
‚das ist doch was für Leute mit zu viel Zeit… ‘“
„Das war zu viel! Also hab ich mich eingemischt.“
„Amore…
hör auf, so viel zu denken und die armen Gnocchi zu beleidigen.“
„Was brauchst du schon?“
„Zwei Zutaten.
Kartoffeln.
Rote Linsen.
Kein Mehl.
Kein Ei.
Kein Theater.“
„Kartoffeln kochen. Ausdampfen lassen.
Jetzt ab in die Kartoffelpresse.
So fein wie möglich.
Die Linsen dürfen kurz denken,
sie wären wichtig — jaja ich weiß. – Proteinriesen
Trotzdem: ab in den Mixer.
Jetzt wird beides gemischt.
Und plötzlich merkst du:
Es geht auch einfach.
„Kein Kleben. Kein Fluchen.
Nur Teig, der weiß, was er will.
Er wird portioniert und in Daumendicke Teigstränge geformt.
Dann ca. 2cm große Stücke abschneiden “
„Und dann… komm ich. Pippo das Rillenbrett!
„Mein Auftritt“!
„Du rollst den Teig über mich.
Ich gebe ihm Rillen. Nicht für die Optik. Für den Moment danach.
Denn was wären Gnocchi ohne Sauce?“
„Irgendwo wartet schon:
Tomatensugo –Trüffel – Parmesan.
Vielleicht auch…
Ricotta – Zitrone – Spinat“.
„Doch vorher?“
„Ab ins Wasser mit den Gnocchi.
Sie gehen unter. Kommen wieder hoch.
Natürlich funktioniert das.“
„Gib ihnen noch einen Moment.
Das Innen zählt.
Niemand will glitschige, halbgare Gnocchi“!
„Und jetzt hör gut zu:
Das hier schmeckt
nicht nach Linsen.
„Es hat Biss. Struktur. Und ist wahrscheinlich das unkomplizierteste Gnocchi,
das du je gemacht hast.“
„Vegan. Glutenfrei.
Und trotzdem… kein Kompromiss.“
Va bene.
Aber iss wie jemand, der morgen wieder genießen will.“
„Ja ich lag lange in dieser Schublade.
Ein bisschen Urlaubsflair war immer noch da.
„Ich bin kein Mitbringsel.
Ich bin Sonne im Holz versteckt .“
Ja, was soll ich sagen natürlich hat mein kleines Rillenbrett recht. Was sollte ich schon anderes tun? Immer, wenn meine Küchenutensilien anfangen zu sprechen. Dann mache ich nur eins.
Ich hab einfach wieder zugehört.
Und ganz ehrlich…
Es schmeckt wirklich nicht nach Linsen.
Probier es aus! Falls du das Gefühl hast, der Teig sei doch etwas klebrig, dann füge noch etwas Linsenmehl hinzu. Das liegt dann oft an der Kartoffel. Natürlich hilft auch etwas Kartoffelstärke
Ich mag die Gnocchi supergern. Manchmal auch nur mit ein paar gerösteten Salbeiblättern, ein Hauch Butter und Parmesan. Mein Mann liebt dazu ein Glas Pinot Grigio.
Übrigens allein die Linsen und die Kartoffeln haben schon fast 80g Eiweiß
Das müsste auch die letzten Skeptiker überzeugen.
