Süßstoffe sind Ansichtssache !?!?

Heiliger Gral oder doch ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko?

 Wir sind da oft gespalten, und die Schlagzeilen in den Medien verunsichern uns zusätzlich.

Bei mir gibt’s kein Dogma! 

Jeder entscheidet für sich. Wenn ich hier Rezepte poste, schreibe ich meist Süße nach Wunsch.  Wenn ich jemanden zum Kaffee-Besuch habe, stehen verschiedene süße Alternativen auf dem Tisch.

Aber auf dem Laufenden möchte ich schon bleiben.

Eines vorab: Wir sind keine Maschinen. 

Jeder von uns hat einen ganz eigenen Stoffwechsel, eigene Empfindungen und einen völlig individuellen Organismus. Was für den einen super funktioniert, kann beim anderen für Unbehagen sorgen. „Darm eins“ entspricht eben nicht „Darm zwei“ – und das ist auch völlig okay so! Hier ist ein kleiner Fakten-Check:

1. Überraschung im Darm: Unser Mikrobiom hört mit!

Früher dachten wir, Süßstoffe gehen „einfach so“ durch uns durch, ohne Spuren zu hinterlassen. Neueste Studien (z. B. Suez et al., 2022) zeigen aber: Unsere Darmbakterien reagieren sehr wohl darauf!

• Besonders Saccharin und Sucralose können unsere Darmflora so verändern, dass unser Körper auf echten Zucker (aus Obst oder Brot) plötzlich empfindlicher reagiert (Glukosetoleranz). Da jeder von uns eine andere Bakterien-Zusammensetzung hat, erklärt das auch, warum manche trotz „Zero“-Produkten Heißhunger bekommen und andere gar nicht.

• Unser Weg – den Darm „Süßstoff-fest“ machen: Wir können unser Mikrobiom aktiv unterstützen! Wenn wir Süßstoffe nutzen, sollten wir unseren „guten“ Bakterien einen Ausgleich bieten. Kombinieren wir unseren Quark mit Leinsamen, Flohsamenschalen oder einer halben Banane (unser „Bakterien-Booster“) oder essen wir eine Handvoll Beeren dazu. Diese Ballaststoffe und Polyphenole stärken unsere Darmbarriere und halten das System im Gleichgewicht.

2. Erythrit & das Herz: Täter oder doch nur Zeuge?

Vielleicht habt ihr von der großen Studie aus 2023 gelesen, die Erythrit mit einem erhöhten Thromboserisiko in Verbindung bringt. Hier ist die Einordnung extrem wichtig, um keine Panik zu schüren:

• Die Indizien: In Laborversuchen reagierten Blutplättchen empfindlicher auf Erythrit, was theoretisch die Klumpenbildung fördern könnte.

• Das große „Aber“: Unser Körper stellt Erythrit bei Stoffwechselstress (z. B. bei Entzündungen) auch selbst her. Experten diskutieren deshalb, ob Erythrit in unserem Blut vielleicht nur ein „Zeuge“ am Tatort ist – also ein Marker für einen bereits belasteten Stoffwechsel – und gar nicht der eigentliche „Täter“.

• Wer wurde untersucht? Die Studie (Witkowski et al.) untersuchte über 4.000 Personen, die bereits ein sehr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Der Altersdurchschnitt lag bei 60 bis 70 Jahren, viele litten unter Diabetes oder Bluthochdruck.

• Experten-Stimme: Dr. Stefan Kabisch von der Charité Berlin merkt dazu an, dass man basierend auf diesen Daten nicht vor Erythrit warnen muss. Es handelt sich um statistische Beobachtungen bei Schwerkranken, die man nicht eins zu eins auf die breite, gesunde Bevölkerung übertragen kann.

3. „Backen mit Süßstoff“ ?!?!?

Vorsicht bei Sucralose! 

Viele von uns lieben „Chunky Pulver“ oder Flav-Drops zum Backen. Wichtig für uns: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt ausdrücklich davor, Sucralose über 120 °C zu erhitzen. Ab dieser Temperatur können chlorierte organische Verbindungen entstehen, die gesundheitsschädlich sein können.

• Die Lösung: Nutzen wir diese Pulver lieber in kalten Speisen wie Quark, Joghurt oder Shakes. Zum Backen im Ofen sind Stevia oder Erythrit für uns die sicherere, hitzestabile Wahl!

Von den Herstellern von Geschmackspulver wird immer wieder argumentiert, das Backwaren im Inneren keine 120 Grad erreichen würden. Das mag sein, aber was ist mit der Kruste? Und auch bei Keksen kann es heiß werden. 

4. Aspartam & Co: Die Mengen machen das Gift! 

Trotz aller Mythen geben die großen Fachbehörden (wie die EFSA) weiterhin Entwarnung für den normalen Gebrauch. Um in einen kritischen Bereich zu kommen, müsste eine 70 kg schwere Person täglich zwischen 12 und 36 Dosen Light-Limo trinken.

Süßstoffe sind für uns ein Werkzeug, um unsere Punkte im Griff zu behalten, aber sie sollten keine „Hauptmahlzeit“ sein. Da unser Stoffwechsel so individuell ist, gibt es keine pauschale Wahrheit für alle.

Vertraut eurer Wahrnehmung mehr als jedem eingesparten Punkt! 

Ein gezielter Einsatz hilft mir persönlich dranzubleiben.

Bei mir wird es bei mir wohl bei einem Mix bleiben. 

📚 Für Fakten-Checker (Detaillierte Quellen):

• Mikrobiom: Suez, J., et al. (2022). „Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance.“ Cell, 185(18). – Diese Studie zeigt die individuellen Reaktionen der Darmflora.

• Erythrit-Risiko: Witkowski, M., et al. (2023). „The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk.“ Nature Medicine, 29(3). – Die Basis der aktuellen Herz-Diskussion.

• Erythrit-Eigenbildung: Hootman, K. C., et al. (2017). „Erythritol is a pentose-phosphate pathway metabolite and associated with adiposity gain.“ PNAS. – Belegt, dass unser Körper Erythrit selbst produziert.

• Hitze-Warnung: BfR-Stellungnahme Nr. 012/2019. „Süßstoff Sucralose: Beim Erhitzen von Lebensmitteln können gesundheitsschädliche Verbindungen entstehen.“

• Sicherheit allgemein: EFSA (European Food Safety Authority). Regelmäßige Neubewertungen von Aspartam (zuletzt 2023 im Kontext der IARC-Einstufung).



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