Der Ofen, der kein Toaster ist

So genau weiß ich es nicht mehr, aber ich glaube es sind schon acht oder zehn Jahre her, als ich diesen kleinen Ofen im Supermarkt gesehen habe und dachte, den nehme ich mir jetzt mit und stelle ihn nach draußen, damit es im Sommer in meiner Küche nicht so heiß wird, wenn ich etwas backe. 

Irgendwie so um die 50 € hat er damals gekostet. Jedes Jahr im Sommer wird er auf die Terrasse getragen und im Winter wieder eingemottet. 

So war das auch diesen Sommer.

Nachdem ich euch ja erzählt habe, dass in meiner Küche seit einiger Zeit  Töpfe und Pfannen sprechen, meldete sich diesmal dieser kleine Ofen zu Wort. 

Anscheinend hat er ein kleinen Minderwertigkeitskomplex, aber hört ihm am besten einfach zu:

Der Ofen, der kein Toaster ist!

„Ich weiß, was ihr denkt.

‚So ein kleiner Ofen – der ist doch nur zum Aufbacken da.‘

Ja, ja, das hab ich schon oft gehört.

Jahrelang stand ich in der Ecke, mit Krümeln in der Ritze und Brötchentüten neben mir.

Ich war das Gerät für den schnellen Hunger, für die Coppenrath-und-Wiese-Fraktion.

Aber plötzlich hatte ich eine Aufgabe.“

„Ich bin nicht mehr nur der Aufwärmer, so ne Art „Toaster“ für alle Fälle.

Nein! Ich bin der Bäcker einer neuen Zeit.

Ich backe Eiweißbrötchen, leicht und voller Geschmack zugleich.

Für Menschen, die einfach gutes Brot lieben. Egal ob mit Sauerteig, Hefe oder Backpulver, ich nehme sie alle bei mir auf! Auch die, die Glutenfrei brauchen, ich mache da keinen Unterschied! Ich sorge gut für alle Brötchen! Ja genau „für Alle“, das ist meine Devise.

Und glaub mir: ich tu das mit Begeisterung!

Ich bin klein, aber ich kann Hitze. 

Ich bin alt, aber ich halte durch.

Ich brauch kein Hightech, keine Dampffunktion, für was gibt es schließlich Steingut mit Wasser unter meinem Backblech?

Touchdisplay? – Habe ich nicht. 

Ich hab Charakter – und einen Rost, der Geschichten erzählen könnte. Aber ich schweife ab.

Macht euch selbst ein Bild, ob ich nur angeben will, oder Substanz habe. Hier kommt eines meiner besten Rezepte. Ganz ohne Schnickschnack.

Eiweißbrötchen vom Feinsten 

Zutaten (für 15 Sattmachbrötchen)

Basis:

500 g Quark oder Skyr

250 g Mehlmischung deiner Wahl

Beispiele:

Klassisch rustikal:

150 g Dinkelvollkorn, 100 g Hafer, 10 g Flohsamen

Kernig & herzhaft:

100 g Dinkel, 50 g Roggenvollkorn, 100 g Hafer, 10 g Flohsamen

Glutenfrei & großartig:

150 g Buchweizen, 50 g Stärke, 30 g Flohsamen, 50 g Hafer

Dazu:

• 1 Ei

• 2 TL Salz

• 1 P Weinsteinbackpulver

• 2 TL Natron

• Ein Schuss Zuckerrübensirup

• Ca. 30–50 ml Wasser

• Körner & Haferflocken fürs Topping

So funktioniert’s bei mir 

„Ich bin kein Designerstück. Ich brauch keine App.

Aber gib mir Teig – und ich geb dir Genuss. 

Du verrührst einfach alles, lässt es kurz stehen.

Der Teig ist feucht, lebendig, kernig – das mag ich.

Gib mir zehn Minuten und der Teig, der ist bereit.

Ich seh’s, ich spür’s, wenn alles miteinander verbunden ist. Ich bin schließlich vom Fach.

Dann formst du kleine Brötchen – oder, wenn du’s clever magst, nimmst du einen Eisportionierer. Lass die Brötchen direkt in eine Schale mit Haferflocken und Körnern fallen. Dreh, sie schnell um, um keine schmutzigen Finger zu bekommen. Die Kerne bleiben wunderbar haften. 

So bleibt’s sauber. Ich mag keine klebrigen Fingerabdrücke auf meiner Scheibe.“

„Und dann kommt mein Moment.

Ich öffne meinen Bauch, du setzt sie rein, und ich tu, was ich am besten kann:

25 bis 30 Minuten bei 180° nichts als nur Hitze! 

Ich backe mit Geduld, nicht mit Stress.

Von innen saftig, von außen goldschimmernd. 

Ich bin klein, ja schon, aber wenn der Duft durchs Zimmer zieht, dann bin ich jemand, der mit anderen Augen gesehen wird.“

Zum Schluss meinte der kleine Ofen:

„Ich bin nicht mehr der Jüngste.

Ich hab Kratzer, ich hab Flecken, und manchmal braucht mein Timer einen kleinen Schlag mit dem Finger.

Aber wenn du mir gute Zutaten gibst, geb ich dir gutes Brot. 

Oder beste Brötchen! 

So einfach ist das.

Ich bin der kleine Ofen, der nicht aufgibt, unzählige Male wurde ich schon unterschätzt. Ja ich zeige dir, dass du kein Luxusgerät brauchst, um was Echtes zu schaffen.



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