Henry – Galettes
Talking Pots
Heute Morgen komme ich in die Küche
und werde Zeuge eines kleinen, feinen Küchenstreits.
Nichts Dramatisches.
Eher so ein leises Knistern zwischen zwei Welten.
Auf der einen Seite Madame Cuisine.
Glänzend. Aufrecht.
Mit einem leichten „Ich weiß, wie es geht“-Blick.
Auf der anderen Seite: Henry
Mein Handmixer.
Über 30 Jahre alt.
Ein bisschen vergilbt, ein bisschen müde –
aber mit diesem ruhigen Summen, das sagt:
„Wir kriegen das schon hin.“
Henry und ich…
wir haben einiges zusammen erlebt.
Teige, die eher Ideen waren.
Sahne, die kurz davor war, Butter zu werden.
Und Rezepte, die wir… sagen wir…
sehr frei interpretiert haben.
Aber wir sind drangeblieben.
Und irgendwann wurde es gut.
Nicht perfekt –
aber unseres.
Als ‚SIE’ zu uns kam war sie ein bisschen von oben herab und meinte beim Einzug:
„Wie… niedlich. Ein Handmixer.“
Henry sagte nichts.
Er war gerade mit Sahne beschäftigt.
Sahne braucht etwas Aufmerksamkeit sonst….
Später, als es ruhiger wurde, meinte ‚SIE‘:
Ich kann kneten.“
Pause.
„Ich kann rühren.“
Noch eine Pause.
„Ich kann schlagen, raspeln, emulgieren. Ich kann kochen. Ich habe Programme. Ich bin pünktlich.“
Henry summte.
„Ich habe zwei Stufen“, sagte er.
„Und eine dritte, wenn man mutig ist.“
SIE drehte sich ein kleines bisschen,
so dass das Licht genau richtig auf ihr Gehäuse fiel.
„Ich bin eine Investition.“
Henry dachte kurz nach.
„Ich bin schon immer da.“
Das traf sie.
Eine Weile war es still.
Dann, fast beiläufig:
„Wofür braucht man dich überhaupt noch?“
Henry überlegte.
„Für Dinge, die nicht beeindrucken müssen“, sagte er.
„Für Teige, die Zeit brauchen.“
„Für Schüsseln, die zu klein sind für große Auftritte.“
Kurze Pause.
„Für Galette.“
„Für… was?“
Jetzt war er dran.
„Buchweizen. Wasser. Salz. Zeit.“
„Das ist kein Rezept.“
„Doch“, sagte Henry ruhig.
„Nur kein lautes.“
Sie schwieg kurz.
Dann, ein bisschen aufgeregt :
„Ich mache dir daraus ein Rezept.“
Und plötzlich war sie ganz in ihrem Element.
🥞 Zutaten (für ca. 8 Galettes)
Für den Teig:
• 250 g Buchweizenmehl
• 500 ml kaltes Wasser
• 1 TL Salz
• 1 Ei (optional – für Elastizität)
„Traditionell ohne“, fügte sie hinzu.
Klassische Füllung – Galette Complète
• 8 Scheiben gekochter Schinken
• 8 Eier
• geriebener Käse (Emmentaler oder Comté)
„Menge beachten.“
Henry: „Herz beachten.“
🔥 So läuft das bei uns
1. Teig vorbereiten
„Mehl und Salz mischen.“
„Nach und nach Wasser einrühren, bis ein glatter, flüssiger Teig entsteht.“
Henry: „Ein bisschen dünner als Pfannkuchenteig.“
„Optional das Ei unterrühren.“
„Mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Henry meinte:
„Oder länger…“
„Dann wird er ein bisschen besser.“
Sie schaut ihn an.
„Fermentation“ ja das ist wichtig , sagt sie.
2. Galettes backen
„Pfanne erhitzen.“
„Teig hineingeben und dünn verteilen.
3. „Käse, Schinken, Ei.“
„In dieser Reihenfolge“, sagt Henry.
„Rand einklappen. Quadrat.“
„Eigelb sichtbar lassen“, sagt sie streng.
Henry, leise: „Das muss sein“
Dann sagt sie:
„Servieren. Heiß.
„Traditionell mit Cidre brut.“
Henry grinst.
„Oder einfach so.“
Sie stehen einen Moment nebeneinander.
Die Neue.
Und der Alte.
„Weißt du“, sagt sie dann, etwas leiser,
„so schlecht ist das Rezept nicht.“
„War ja auch nie das Problem.“
„Sondern?“
Er überlegt.
„Dass man es auch macht.“
Heute ist Ostern.
Vielleicht gibt es große Pläne.
Perfekte Menüs.
Durchgetaktete Abläufe.
Aber vielleicht reicht auch:
eine Schüssel,
ein bisschen Zeit,
ein Teig, der ruhen durfte,
und ein Tisch mit Menschen,
die uns viel bedeuten.
Und womöglich ist genau das der Anfang:
nicht alles perfekt zu machen –
sondern es einfach nur zu machen.
Henry meinte später noch zu unserer Küchendiva, für acht Personen ging das gerade noch mit dir. Ich zeig dir das nächste Mal, wie man mit mir kleinen Handmixer Teig für zwei Fußballmannschaften auf einmal anrührt. Da bin ich nämlich klar im Vorteil.
Jetzt mache ich mir ein bisschen Sorgen. Dass er immer so angeben muss.
